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Lohnt sich eine Holding GmbH für ETF?

  • Lesezeit 12 Min.
Chris

Dipl.-Ingenieur, Developer, #Buy-and-Hold #ETF #Investor, Freelancer, Lerner

Holding GmbH als Regenschirm

Im Folgenden habe ich mich damit beschäftigt, ob es sich lohnt, als Buy-and-Hold-Investor eine Holding GmbH aufzusetzen und für die ETF-Investitionen zu nutzen. Oft liest man im Internet von der Immobilien GmbH oder Trading GmbH für aktive Aktieninvestoren, daher wollte ich mir das Ganze auch mal für Exchange Traded Funds (ETFs) genauer ansehen.

Disclaimer
Die folgende Analyse ist nach bestem Wissen mit Stand Mai 2021 erstellt. Allerdings bin ich natürlich kein Steuerberater oder Rechtsanwalt, d.h. der Blog-Post stellt nur meine persönliche Sichtweise und meine Erkenntnisse aus meinen Recherchen auf das Thema GmbHs und Holding-Strukturen mit ETFs dar. Bei Interesse solltet ihr Euch in jedem Fall fachkundige Hilfe holen.

Eine neue GmbH zu gründen ist in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern wie Estland zwar immer noch verhältnismäßig aufwändig und nicht digital möglich, allerdings fällt dieser Schritt zum Glück nur initial an.

Der wichtigste Punkt ist, dass wenn Du ETFs oder andere Assets über eine GmbH kaufst, diese Wertpapiere nicht mehr Dir gehören, sondern der GmbH. Das ist jetzt für mich weder ein Vorteil noch ein Nachteil, es sollte Dir aber bewusst sein. Die GmbH ist ein eigenständiges Wirtschaftssubjekt und Du darfst die private und die GmbH-Sphäre keinesfalls vermischen.

Schauen wir uns im Folgenden die Vor- und Nachteile einer ETF GmbH an und ziehen abschließend ein Fazit, ob die GmbH sich für ETF-Investments lohnt.

Welche Vorteile bietet eine GmbH für ETF-Investments?

Der größte Vorteil ist die geringere Besteuerung von ETF in der GmbH, da die Haftungsvorteile einer GmbH in diesem Fall in der Regel keine Rolle spielen.

Ich gehe im folgenden Vergleich von meinem Beispiel-Portfolio aus, d.h. es handelt sich bei den ETFs um Aktienfonds mit mind. 51% Aktienanteil (dies ist für die steuerliche Behandlung wichtig) und wir halten weniger als 10% der Anteile an der jeweiligen Firma (was bei vermutlich allen Aktien von Dir der Fall sein dürfte). Ein guter Vergleich zwischen der Besteuerung privat und GmbH findet sich auch in diesem PDF.

Gewinne macht ein Anleger mit ETFs (siehe auch InvStG §16 Abs. 1),

  1. durch den Verkauf des ETF mit höherem Kurs als beim Kauf oder
  2. durch Dividenden, die die im ETF enthaltenen Aktien an ihre Eigentümer (also in dem Fall an den ETF) zahlen

Auf ETF-Ebene gibt es dann bekanntlich die 2 Möglichkeiten, dass der ETF die Dividenden direkt reinvestiert und damit thesauriert oder diese an die Anleger ausschüttet.

Leser Tom hat hier korrekterweise angemerkt, dass man die Begrifflichkeiten gemäß InvStG §2 Abs. 11 präzisieren muss: auf der Ebene des ETF handelt es sich um Dividenden, auf der Ebene des Anlegers aber um Ausschüttungen des ETF.

Damit gilt für die GmbH auch nicht die schlechtere (weil fehlende Teilfreistellung) Besteuerung im Fall von Dividenden, sondern die vorteilhaften Teilfreistellungen können auch für Ausschüttungen angewendet werden.

Kursgewinne und Ausschüttungen werden wie folgt besteuert:

Private ETF-Besteuerung

Kursgewinne / Ausschüttungen
steuerfrei (Teil-Freistellung)30%
Steuer26,375% (Abgeltungssteuer und Soli)
Ergebnis18,463%

Hinweis: zur besseren Vergleichbarkeit sind die Berechnungen ohne Kirchensteuer.

ETF-Besteuerung in der GmbH

Für den Vergleich nehme ich pauschal 15% Körperschaftssteuer (KSt) und 15% Gewerbesteuer (GSt) an. Die Gewerbesteuer ist abhängig von der Gemeinde, in der die GmbH gemeldet ist.

Kursgewinne / Ausschüttungen
steuerfrei (Teil-Freistellung)80% (KSt), 40% (GSt)
Steuer15,825% (KSt + Soli) + 15% (GSt)
Ergebnis12,165%

Im Ergebnis erhält man im GmbH-Mantel einen Steuervorteil von ca. 6 Prozentpunkten auf die Kursgewinne und Ausschüttungen. Dies entspricht einer Verbesserung im Vergleich zur privaten Ebene von ca. 33%.

Optimieren ließe sich das Ganze einfach noch etwas weiter, wenn man den Gewerbesitz der GmbH in eine Gemeinde mit einem niedrigen Hebesatz verlegt und so die Gewerbesteuer von durchschnittlich 15% z.B. auf 10% reduzieren, so dass man im besten Fall auf einen Steuervorteil von ca. 9 Prozentpunkten oder 50% kommt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Erben sehr einfach über einen Verkauf oder eine Schenkung von GmbH-Anteilen an Deinen Investments beteiligt werden können. Allerdings ist dies auch – etwas umständlicher – über Schenkung und Übertragung von ETFs direkt möglich. In beiden Fällen müssen natürlich die entsprechenden Freibeträge berücksichtigt werden.

Ausgaben in die GmbH verlagern

Ein weiterer großer Vorteil der GmbH ist, dass alle Kosten im Zusammenhang mit den Investments abziehbar sind. D.h. Ausgaben wie beispielsweise Fachbücher, Fahrtkosten, Internet, Telefon, etc. können von den Gewinnen aus den ETF abgezogen werden und erst darauf wird die Steuer berechnet.

In der Realität ist es für mich allerdings fraglich, wie gewichtig dieses Argument wirklich ist. Zum einen dürfte die Höhe dieser Ausgaben im Vergleich zu den Investmenterträgen relativ gering sein. Gerade als Buy-and-Hold ETF-Investor bin ich nicht ständig auf irgendwelchen Veranstaltungen, benötige teure Investmentratgeber oder kostenpflichtige Börsenbriefe.

Laptop, Internet, Handy, Dienstfahrrad oder KFZ können aber natürlich Sinn machen, sofern diese noch nicht über eine andere Selbstständigkeit oder im Rahmen der Werbungskosten abgesetzt werden.

Was sind die Nachteile eines ETF-Investments in einer GmbH?

1. Inflexibilität

Wenn Du als Buy-and-Hold-Anleger in ETFs auf GmbH-Ebene investierst, gibt es für mich einen großen Nachteil: die Inflexibilität.
Hast Du Dich einmal für diesen Weg entschieden, gibt es kein Zurück mehr und Du musst das idealerweise bis an Dein Lebensende durchziehen. Natürlich zwingt Dich niemand dazu und Du kannst die Holding GmbH für ETF auch wieder auflösen, wenn sie sich nicht mehr lohnt, allerdings musst Du in diesem Fall alle Deine Assets, d.h. im Speziellen die ETFs, veräußern und damit zu dem Zeitpunkt versteuern. Dies versucht man als passiver Investor ja gerade zu vermeiden bzw. so lange wie irgendwie möglich herauszuzögern, wenn die progressive Einkommensteuer deutlich geringer ist und das Teileinkünfteverfahren Sinn macht.

Ein weiterer Punkt, in dem die Holding-Struktur unflexibel ist, bezieht sich darauf, falls Du planst später auszuwandern: in diesem Fall wird für alle privat gehaltenen GmbH-Anteile eine sogenannte Wegzugssteuer fällig. Dadurch wird in dem Moment Deine GmbH zum Verkehrswert bewertet und kann eine nicht unerhebliche Steuerzahlung auslösen.

2. Kosten

Selbstverständlich verursacht das Betreiben einer GmbH Kosten in Form von initialen Setup-Kosten sowie laufenden Kosten für Buchhaltung, Jahresabschluss, Veröffentlichungen, IHK, LEI-Nummer, Depot, usw. Der Vorteil ist, dass Du diese Kosten alle absetzen kannst (siehe oben, was privat nicht möglich wäre, da alles pauschal mit der Abgeltungssteuer beglichen ist).
Es gibt einige interessante Blogs, die aufzeigen, wie man den Kostenapparat der Holding GmbH relativ schlank halten kann, indem man möglichst viel selbst macht. Und natürlich hat man auch den Vorteil, dass bei ETF-Investments nicht sehr viele Buchungen entstehen.
Allerdings würde ich realistischerweise und ohne eigene Buchhaltungskenntnisse nicht davon ausgehen, eine GmbH mit dreistelligen laufenden Kosten im Jahr zu betreiben. Und aufgrund der hoffentlich größer werdenden Bilanzsumme in Folge Deiner Investitionen, können schnell mehrere tausend Euro Kosten pro Jahr auflaufen.

Auch das Thema Kosten für Gewerbesitz sollte nicht vernachlässigt werden, da es in vielen Fällen nicht sinnvoll ist, die GmbH auf Deine private Adresse zu melden.

3. Viele Parameter

Wenn Du anfängst für Dich durchzurechnen, ob sich die Holding GmbH für ETF-Investments lohnt, wirst Du sehr schnell feststellen, dass es sehr viele variable Parameter gibt, u.a.

  1. laufende Kosten
  2. Einkommen und zukünftige Gewinnausschüttungen
  3. Private Lebenshaltungskosten
  4. Steuerliche Rahmenbedingungen (Steuersätze, Steuergesetze, Hebesätze, Freistellungen, etc.)
  5. Private Lebensplanung

Insbesondere musst Du diese Parameter für eine sehr lange Zeit in die Zukunft abschätzen, was natürlich dementsprechend schwierig ist.

Ausnahme: Holding GmbH

Die Vorteile einer GmbH bisher konnten Dich noch nicht richtig überzeugen? Richtig, mich auch nicht. Wir haben gesehen, dass es sich in der Regel lohnt, die ETF im Privatvermögen zu halten, da es in der GmbH keine signifikanten Vorteile gibt und die Nachteile eher überwiegen.
Insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass sich der Steuervorteil ja nur ergibt, wenn das Kapital zum Investieren in der GmbH vorhanden ist. Doch wie soll es dahin kommen?

Hier kommt die sogenannte Holding GmbH oder auch „Spardosen GmbH“ ins Spiel, um Gewinne aus anderen, operativen GmbHs in Deine Holding zu transferieren. Lohnt es sich dort in der Holding GmbH dann, das Geld in ETF anzulegen?
Prinzipiell setzt dies natürlich voraus, dass Du eine operative GmbH hast bzw. planst, d.h. Du bist Unternehmer.

Im Wesentlichen geht es also darum, woher das Geld kommt, dass Du zum Investieren auf GmbH-Ebene verwendest: kommt es aus bereits versteuertem Privatvermögen, das Du z.B. per Darlehen in Deine GmbH einbringst, sind die Vorteile einer GmbH gering. Werden Gewinne aus operativen GmbHs genutzt, kann die Sache anders aussehen. Schauen wir uns das genauer an.

Was ist eine Holding-Struktur?

Eine sehr gute Erklärung zum Aufbau und der Funktionsweise von Holding-Strukturen findest du hier.

Natürlich könntest Du Deine Investments auch direkt in der operativen GmbH tätigen. Allerdings sprechen hierfür aus meiner Sicht mehrere Faktoren dagegegen:

  1. Das Haftungs- und Insolvenzrisiko bei Deiner operativen Tätigkeit ist in der Regel nicht zu vernachlässigen. Im Insolvenzfall werden sich die Gläubiger daher auch an den ETF-Investments der GmbH bedienen, so dass diese dann weg sein können.
  2. Bist Du nicht alleiniger Gesellschafter der operativen GmbH musst Du Deine “Spardose” mit Deinen Geschäftspartnern teilen. Allerdings verändern sich die individuellen Investmentpläne im Laufe der Zeit und vielleicht seid ihr Euch nicht mehr einig. Insbesondere da es sich um Buy-and-Hold-ETF-Investments für sehr lange Fristen handelt ist dieses Risiko nicht zu vernachlässigen und ihr solltet besser jeder separat investieren. Auch der Erbfall ist in diesen Konstellationen sehr komplex.
  3. Sollen weitere Gesellschafter aufgenommen werden oder die operative GmbH verkauft werden, sind die Investments ebenfalls weg.

Sinn macht eine Holding-Struktur aus meiner Sicht vor allem dann, wenn man die Gewinne eben nicht an Dich als Privatperson ausschüttet, sondern diese auf Ebene der Holding GmbH weiter investiert. In meinem Berechnungsbeispiel hier soll es daher um die Frage gehen, ob es Sinn macht, diese Gewinne auf GmbH-Ebene in ETFs zu investieren und welche Vor- und Nachteile sich daraus ergeben.

Unbedingte Voraussetzung für eine Holding GmbH ist aus meiner Sicht, dass Du

  1. Deine aktuellen und zukünftigen Lebenshaltungskosten kennst und diese deutlich geringer sind als Deine Einnahmen und
  2. Du mindestens 10 Jahre in die Zukunft planst und absehen kannst, welche größeren Ausgaben und Investitionen (Haus, Erbe, etc.) auf Dich zukommen.

Die zusätzlichen Vorteile der Holding GmbH

Der große Vorteil der Holding-Struktur ist, dass Du Gewinne aus Beteiligungen an Unternehmen mit mehr als 15% Anteilen mit nur ca. 1,5% versteuern musst. Im Vergleich zu den fast 30% Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ist dies natürlich ein extremer Vorteil, der abzüglich der Kosten in ca. 20% mehr investierbares Kapital resultiert – Jahr für Jahr!
Betrachtet auf sehr lange Zeiträume als Buy-and-Hold-Investor ist das natürlich eine ganze Menge Holz.

Weitere Vorteile ergeben sich beim Verkauf von Anteilen an operativen GmbHs, da auch diese nur sehr gering besteuert werden.

Auch kann mit einer GmbH die Einkommensteuer-Progression sehr sinnvoll genutzt werden, um Einnahmen auf privater Ebene möglichst weit in die Zukunft zu verschieben und das Einkommen so zu kontrollieren, dass man unterhalb des Grenzsteuersatzes von 42% bleibt.

Lohnt sich eine Holding GmbH für ETF?

Rein für ETF-Investments lohnt es sich aus meiner Sicht allerdings nicht, eine Holding GmbH zu gründen. Dafür sind der Gründungsaufwand und die laufenden Kosten zu hoch und die Steuervorteile im GmbH-Mantel zu niedrig.

Spannender wird es, wenn man das in ETFs zu investierende Kapital nicht über Darlehen aus dem Privatvermögen, sondern zum Beispiel durch eine Gewinnausschüttung aus einer oder mehreren operativen GmbHs erhält und dafür eine Holding-Struktur nutzt. In diesem Fall kann man den Steuerstundungseffekt nutzen und hat insgesamt mehr Kapital zur Investition zur Verfügung. Auf der anderen Seite wird dieses Kapital aber jedes Jahr auch von höheren Kosten für den Unterhalt der GmbHs aufgefressen.

Wie man sieht, es kommt also darauf an. Es ist eine Einzelfallentscheidung und ihr müsst es für Euch selbst durchrechnen und vor allem auf Euer Bauchgefühl hören. Dazu können folgende Fragen helfen:

  • Woher kommen meine Einnahmen (Arbeitnehmer, Selbstständig, etc.)?
  • Wie investiere ich das Geld?
  • Ist mir die Steuerersparnis den Aufwand wert?
  • Ist es für mich OK, wenn ich die Anteile an den ETFs nur mittelbar (über meine GmbH) halte?
  • Wie sieht meine Planung für die nächsten Jahr(zehnt)e aus?

In jedem Fall ist es aber eine nicht triviale Angelegenheit, die verschiedenen Szenarien zu berechnen (ETF in GmbH vs. in Privatvermögen) und viele Steuerberater kennen sich in dieser Materie leider wenig aus. Außerdem existieren in der Monte Carlo Simulation sehr viele Variablen.

Insgesamt muss man aber auch für diese Fälle – wie vermutlich bei den allermeisten Investments – sagen, dass es sich ex ante nicht bestimmen lässt, ob die Holding GmbH für ETF sich wirklich lohnt.
Bei allen positiven Berichten im Internet (man findet so gut wie keine negativen Erfahrungsberichte) darf man außerdem nicht vergessen, dass an dem Konstrukt Steuerberater und Rechtsanwälte natürlich auch verdienen. D.h. sie haben ein Interesse, die Holding-Struktur möglichst positiv darzustellen.

Ich für meinen Teil habe mich entschieden, es daher mit dem KISS-Prinzip aus der Software-Entwicklung zu halten und auf die Holding GmbH für ETFs zu verzichten: “Keep It Simple Stupid”

Wenn Du Interesse an meinen Berechnungen hast, melde Dich gerne. Vielleicht mache ich daraus auch noch einen weiteren Blog-Beitrag, in dem ich meinen R-Code dafür zeige.

Disclaimer: Meine kostenlosen und freien Recherchen stellen meine persönliche Meinung dar und sind in keinster Weise eine Anlageempfehlung. Sie werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt, aber sie können trotzdem ganz oder teilweise falsch sein. Daher übernehme ich keinerlei Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Basis der hier vermittelten Informationen getroffen werden. Des Weiteren erhebt diese Website keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität.

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