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BAV oder ETF-Sparplan für GmbH-Geschäftsführer

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Chris

Dipl.-Ingenieur, Developer, #Buy-and-Hold #ETF #Investor, Freelancer, Lerner

Altersvorsorge und Rente

Nachdem ich mir in einem der letzten Beiträge angeschaut habe, ob sich eine GmbH für das Investieren in ETF lohnt, steht diesmal die betriebliche Altersvorsorge (BAV) für Gesellschafter-Geschäftsführer (GGF) einer GmbH auf dem Prüfstand.

Hinweis: Im Folgenden gehe ich von einem Gesellschafter-Geschäftsführer aus, der neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer eine beherrschende Stellung als Gesellschafter innerhalb der GmbH inne hat, so dass die Tätigkeit sozialversicherungsfrei ist.

Disclaimer
Die folgende Analyse ist nach bestem Wissen mit Stand November 2021 erstellt. Allerdings bin ich natürlich kein Steuerberater oder Rechtsanwalt, d.h. der Blog-Post stellt nur meine persönliche Sichtweise und meine Erkenntnisse aus meinen Recherchen auf das Thema GmbHs und BAV dar. Bei Interesse solltet ihr Euch in jedem Fall fachkundige Hilfe holen.

BAV als Geschäftsführer im Gegensatz zum Arbeitnehmer

Im Netz gibt es bereits einige gut aufbereitete Analysen zur Betrieblichen Altersvorsorge (BAV) und ob und wann sich diese lohnt. Allerdings sind diese in nahezu allen Fällen aus der Sicht eines Arbeitnehmers geschrieben. Für meine eigene GmbH, in der ich Gesellschafter und gleichzeitig auch Geschäftsführer bin, sieht die Rechnung allerdings etwas anders aus. Schließlich erhalte ich hier ja keine Zulagen von meinem Chef (denn der bin ja ich selbst), sondern die in der GmbH verdienten Geldeinheiten kann ich mir entweder als Gehalt oder Dividende ausbezahlen oder diese in der GmbH für meine Altersvorsorge nutzen.

BAV-Möglichkeiten als Geschäftsführer

Im Gegensatz zum Arbeitnehmer hat der Geschäftsführer einer GmbH mehrere Möglichkeiten für das Alter vorzusorgen. Da es bereits etliche gute Artikel zu diesem Thema gibt und ich kein Rechtsanwalt oder Steuerberater bin, fasse ich diese 5 Möglichkeiten hier nur der Übersichtlichkeit halber zusammen:

  1. Direktversicherung
  2. Pensionsfond
  3. Pensionskasse
  4. Unterstützungskasse
  5. Direktzusage

Die BAV-Direktversicherung

Im Rahmen dieses Artikels soll es jetzt um Variante 1 gehen, d.h. die BAV-Direktversicherung.
Bei dieser Variante wird – entweder im Rahmen einer Entgeltumwandlung oder Arbeitgeber-finanziert – über einen Versicherungsmantel die Vorsorge für den Geschäftsführer abgesichert. Versicherungsnehmer ist in diesem Fall die GmbH, die die Versicherung für den Geschäftsführer als begünstigte Person abschließt.

Der Vorteil für die GmbH ist, dass sich dieses Konstrukt nicht negativ auf die Bilanz auswirkt und keine Rückstellungen gebildet werden müssen. Bis zu einem Betrag von aktuell 568,- € pro Monat kann steuerfrei in die eigene Altersvorsorge einbezahlt werden.

Vor- und Nachteile gegenüber einem privaten ETF-Sparplan

Im Folgenden möchte ich die Vor- und Nachteile gegenüber einem simplen ETF-Sparplan auf privater Ebene (d.h. aus dem bereits versteuerten Netto) untersuchen. Einige Punkte haben wir auch bereits bei meiner Analyse der Rürup-Versicherung gesehen.

BAVETF-Sparplan
monatlicher Sparbetragmax. 568,- €, vor Steuernbeliebig, nach Steuern
Besteuerungin der Auszahlungsphase mit pers. EkSt.-Satz + Krankenkassenbeiträge (wenn GKV)Gewinne bei Verkauf mit Abgeltungssteuer, lfd. Vorabpauschale
Kündigunglebenslanger Vertrag, nur Beitragsfreistellung möglichETF-Verkauf jederzeit möglich
frühestmöglicher Rentenbezug62 Jahre + i.d.R. Mindestvertragslaufzeitjederzeit durch ETF-Verkauf
Effektiv-Kosten (Durchschnitt)ca. 0,6 – 2 % (abhängig von der Versicherung und Fondsauswahl)ca. 0,2 – 0,5 % (abhängig von Fondsauswahl)
Insolvenzsicher
Vererbung/Schenkungin gewissen Grenzen mit zusätzlichen Kosten möglichjederzeit möglich
Vergleich BAV und ETF-Sparplan

Viele von diesen Punkten muss jeder für sich selbst einschätzen. Inwieweit z.B. ein lebenslanger Vertrag eher eine Belastung ist oder wie häufig man vorhat den Job zu wechseln und ggfs. wieder einen neuen Vertrag (mit Abschlusskosten) abschließen muss.

Ein wesentlicher Punkt, den auch ich anfangs übersehen habe, ist aber das Thema Steuern. Man lässt sich sehr schnell – wie übrigens auch bei der Rürup-Versicherung – von dem Argument der Steuerersparnis ködern. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich dies allerdings als nicht haltbar, wie ich im Folgenden nachrechnen möchte.

Der „Steuertrick“ der betrieblichen Altersvorsorge

Das Verkaufsargument für die BAV für einen GGF lautet in der Regel so:

Wenn Du 100 € in die BAV brutto einzahlst, bekommst Du gegenüber einer privaten Vorsorge 50,- € geschenkt, die Du sonst für Steuern aufwenden würdest.

Sehen wir uns das genauer an. Wenn meine GmbH nach Abzug der Gehälter und aller sonstigen Ausgaben einen fiktiven Umsatz von 100 Geldeinheiten macht, dann kann ich diese entweder als Gewinn ausschütten oder für meine Altersvorsorge verwenden. Im ersten Fall werden ca. 30 % Körperschafts- und Gewerbesteuer fällig (abhängig vom Firmensitz) plus zusätzlich Kapitalertragssteuer plus Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag (kurz Soli). Wir rechnen hier überschlagsweise mit 28%.

Damit bleibt summa summarum folgende Summe als ausgeschütteter Gewinn bei mir übrig:

100 * (1 - 30 %) * (1 - 28 %) = 50,4 Geldeinheiten

D.h. im Umkehrschluss, wir haben knapp 50% an Steuern bezahlt, bis das verdiente Geld in der GmbH bei mir privat ankommt.

Hier setzt nun die BAV an und ermöglicht es, aus dem Brutto für die Altersvorsorge zu sparen. D.h. von meinen 100 verdienten Geldeinheiten kann ich den Betrag für die Altersvorsorge abziehen und „spare“ somit 50 % Steuern. Klingt erst einmal fantastisch!

Der Hammer kommt allerdings in der Entsparphase, über die die Versicherungsvertreter dann nicht mehr so gerne reden. Hier habe ich in der Regel 2 Möglichkeiten:

  1. Kapitalbezug, d.h. ich lasse mir das bis dahin angesparte Kapital auf einmal ausbezahlen
  2. lebenslange Rente

Sehen wir uns die Möglichkeit 1 genauer an. Als freiheitsliebende Menschen, möchten wir natürlich so früh wie möglich aus dem Vertrag raus und dann flexibel mit dem Kapital agieren können.

Wir gehen für den Vergleich mit einem privaten ETF-Sparplan von folgenden Parametern aus:

  • BAV ohne Beitragsgarantie
  • 5 % reale Aktienmarktrendite
  • 30 Jahre Laufzeit
  • freiwillig gesetzlich krankenversichert
  • ETFs mit >= 51% Aktienquote
  • Vorabpauschale = 0 €

Wie man leicht nachrechnen kann, ergibt sich für den mit der BAV maximal möglichen Sparbetrag von 568,- € p.M. nach 30 Jahren am Aktienmarkt ein Betrag von ca. 465.000 €. Gehen wir davon aus, dass wir im privaten ETF-Sparplan aufgrund der Steuer nur die Hälfte sparen können, ergibt sich ein Betrag von ca. 232.000 € nach den 30 Jahren Laufzeit.

Möchte ich mir jetzt mein Kapital am Beginn von Jahr 31 aus meiner BAV ausbezahlen lassen, werden hierauf gemäß EkSt.-Tabelle stattliche 202.428,12 € fällig. D.h. nach Abzug der Steuern bleibt mir noch ein Betrag von ca. 263.000 € übrig.
Das ist aber noch nicht alles! Ist man jetzt (freiwillig) gesetzlich krankenversichert, werden hierauf noch Beiträge für die Krankenkasse- und Pflegeversicherung fällig. Hierzu wird der Auszahlungsbetrag auf 120 Monate gestreckt. Der Freibetrag (aktuell 160,- €) kann für freiwillig gesetzlich Versicherte zudem nicht abgezogen.
Ich gehe hier der Einfachheit halber mal von dem aktuellen Wert von ca. 19 % aus, wobei natürlich niemand seriös sagen kann, wo dieser Beitrag in 30 Jahren liegt. Damit bleiben in Summe noch ca. 174.000 € aus meiner BAV übrig.

Schauen wir uns das Ganze noch einmal übersichtlich an:

Kapital zu Rentenbeginn465.000 €
EkSt.– 202.428,12 €
19% Krankenkasse- und Pflegeversicherung– 88.350 €
Ergebnisca. 174.000 €
Gesamtrechnung für die BAV-Direktversicherung

Diesen Wert muss ich nun mit meinem privaten ETF-Sparplan vergleichen. Von dem Endkapital i.H.v. 232.000 € müssen wir noch die Steuern für die Gewinne abziehen. Nehmen wir an, in diesem Depot sind 50 % aufgelaufene Gewinne enthalten, müssen diese mit der Abgeltungssteuer i.H.v. aktuell 28 % versteuert werden. Da es sich aber um Aktienfonds handelt, können wir 30% Teilfreistellung berücksichtigen.
Außerdem gehe ich hier von einer freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung aus, die ebenfalls auf 120 Monate berechnet wird – obwohl dies natürlich in der Praxis auch beliebig auf einen längeren Zeitraum gestreckt werden kann.
In Summe verbleibt ein Endkapital von ca. 187.000 €.

Kapital zu Rentenbeginn232.000 €
davon Gewinne (50%)116.000
30% Teilfreistellung (Aktienquote >= 51%)81.200
28% Abgeltungssteuer auf Gewinne– 22.736 €
Krankenkasse- und Pflegeversicherung-22.040 €
Ergebnisca. 187.224 €
Gesamtrechnung für den ETF-Sparplan

Wie man sieht ergibt sich ein kleiner Vorteil i.H.v. 13.000 € zugunsten des ETF-Sparplans.

Bemerkenswert ist, dass diese überschlagsmäßige Berechnung noch wesentliche Aspekte gänzlich ausklammert:

  1. die ca. 3-10 mal höheren Kosten des BAV-Sparens im Versicherungsmantel
  2. die nicht garantierten Überschüsse in der BAV – wie realistisch diese sind, muss in der aktuellen Nullzinswelt jeder für sich selbst einschätzen
  3. die Möglichkeit, Mitglied in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) zu werden und damit für den ETF-Sparplan nur den Mindestbeitrag in der GKV zu bezahlen (auf die BAV hat dies keine Auswirkung!); eine interessante Analyse zur Krankenversicherung als Privatier findet sich auch im Frugalisten-Blog
  4. die Asset-Allokation des Versicherers
  5. die Volatilität des Aktienmarkts
  6. das Auf- und Ab des Lebens (Jobwechsel, Immobilienerwerb, schwere Krankheit, Tod, etc.)

Jetzt möchte der geneigte Leser einwenden, dass es ja noch Möglichkeit 2 gibt, die lebenslange Rente. Schauen wir uns diese nun etwas genauer an. Bei der lebenslangen Rente wird in der Regel ein sogenannter Rentenfaktor von der Versicherung garantiert, d.h. pro 10.000 € Vertragsguthaben wird z.B. ein Betrag von 25,- € bezahlt. Dies ist natürlich individuell für den jeweiligen Vertrag und die Versicherung und dieser kann auch deutlich niedriger ausfallen.

Nehmen wir aber dieses Beispiel auf. Bei unserem Endkapital i.H.v. 465.000 € ziehen wir 15% Puffer ab, da der Versicherer zum Ende der Ansparphase das Guthaben in sicherere Anlagen umschichten wird, die weniger Rendite bringen. Aus den verbleibenden 395.000 € erhalten wir dann eine monatliche Rente i.H.v. 987,50 € vor Steuern. Gehen wir von einem realistischen Steuersatz in der Rente i.H.v. 25 % aus und wiederum Beiträgen von 19 % für Krankenkasse und Pflegeversicherung, bleiben uns als Rentner netto ca. 600,- €. Setzen wir das in Relation zu unseren einbezahlten Beiträgen i.H.v. 568 € über 30 Jahre:

568 € * 12 * 30 Jahre / 600 € / 12 = 28,4 Jahre

D.h. unter diesen (günstigen) Annahmen habe ich nach 28,4 Jahren – d.h. mit über 90 Jahren – überhaupt erst meine einbezahlten Beiträge wieder raus. Danach sprechen wir erst über die zusätzliche Rendite!

Fazit

Für mich sieht die BAV in dieser Konstellation nicht sonderlich attraktiv aus. Gemäß meinen Prinzipien pflege ich eine einfache und simple Geldanlage und das ist bei diesen komplexen Versicherungsprodukten schon einmal per se nicht gegeben. Was mir allerdings auch nicht klar war, ist dass der angebliche Steuervorteil überhaupt kein Vorteil ist!

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag ein klein wenig Aufklärungsarbeit leisten. Ich freue mich über jegliches Feedback dazu. Wichtig ist aber auch: natürlich ist jeder BAV-Vertrag anders und die Situation individuell, so dass mein Fazit natürlich nicht auf jede BAV zutrifft.

Wer tiefer in die Materie einsteigen bzw. sich von einer anderen Seite nähern möchte, dem empfehle ich den Blog-Beitrag von Hartmut Walz zu diesem Thema.

Wer das Ganze noch etwas genauer und unter Berücksichtigung der Kosten der BAV und des ETF-Sparplans nachvollziehen will, für den habe ich unter folgendem Link meine Berechnungen veröffentlicht:

Disclaimer: Meine kostenlosen und freien Recherchen stellen meine persönliche Meinung dar und sind in keinster Weise eine Anlageempfehlung. Sie werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt, aber sie können trotzdem ganz oder teilweise falsch sein. Daher übernehme ich keinerlei Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Basis der hier vermittelten Informationen getroffen werden. Des Weiteren erhebt diese Website keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität.

2 Gedanken zu „BAV oder ETF-Sparplan für GmbH-Geschäftsführer“

  1. Ich dachte bei Auszahlungen berechnet sich die Steuer nach der Fünftelregelung – es wird also der ausgezahlte Betrag durch 5 geteilt und versteuert, danach wird die Steuerlast mit 5 multipliziert.

    1. Hi Edward,

      vielen Dank für Deinen Kommentar!

      Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es tatsächlich so einfach ist.
      Die Fünftelregelung kann nach meinen Recherchen aktuell nicht angewendet werden, siehe z.B. hier oder hier.

      Aber ich bin natürlich kein Steuerberater und daher ohne Gewähr.
      Falls Du eine andere Quelle hast, lass es mich gerne wissen!

      Viele Grüße,
      Chris

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