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Warum steigen Aktien langfristig?

  • Lesezeit 6 Min.
Chris

Dipl.-Ingenieur, Software-Entwickler, #Buy-and-Hold #ETF #Investor, Freelancer

Börsenchart

Schon der Star-Investor Warren Buffet hat sinngemäß gesagt, dass man immer verstehen sollte, in was man investiert ist. Daher stelle ich mir in diesem Artikel die Frage, wieso ein Investment in Aktien und ETFs Sinn ergibt und wieso Aktien langfristig steigen sollten.

In den meisten Blogs und Artikeln zum Thema Finanzen heißt es sinngemäß:

Mit einem Investment in breit gestreute ETFs konnte man in den letzten Jahrzehnten inflationsbereinigt ca. 7% Rendite p.a. erwirtschaften.

Doch warum steigen Aktien langfristig? Was liegt der Annahme zugrunde, dass dies so ist?

Kurzfristig kann es an der Börse immer rauf und runter gehen. Der Kursverlauf ist von Emotionen, News, Tradern, etc. geprägt und gleicht einem sog. Random Walk.
Langfristig allerdings – das zeigen zumindest Simulationen mit den Kursen der letzten 100 Jahre – steigen die Börsen weltweit. Doch warum ist das so?

Was wir lernen..

  1. Renditen entstehen nur in der realen Wirtschaft
  2. Unser Geldsystem erfordert Wachstum
  3. An der Börse wird die Zukunft gehandelt
  4. Langfristig steigt der Markt
  5. Warum Aktien langfristig besser performanen müssen als Anleihen

Renditen entstehen nur in der Wirtschaft

Auch wenn uns das im täglichen Börsen-Wahnsinn und bei hunderttausenden von Aktien, Zertifikaten und Fonds manchmal schwer fällt zu glauben: tatsächliche Renditen haben immer ihren Ursprung in der Wirtschaft.

Ein Unternehmen benötigt Geld für Investitionen, das es sich am Kapitalmarkt besorgt. Der Unternehmer wird genau berechnen, wieviel Kapital er aufnimmt und der Investor wird durch die Konkurrenz anderer Investoren zu einem möglichst niedrigen Zinssatz getrieben, mit dem er für seinen Verzicht und sein Risiko belohnt wird.

Sobald ein Unternehmen einmal Aktien an der Börse ausgegeben und damit Kapital erhalten hat, findet nur noch ein Handel von Teilnehmern an der Börse mit den Aktien statt. Von diesem Handel profitiert das Unternehmen primär erst einmal nicht, da das Geschehen von Angebot und Nachfrage zwischen Anlegern getrieben ist. Die Wirtschaftstheorie geht davon aus, dass die Teilnehmer rational im Sinne des Homo Oeconomicus handeln und für Ihre Kaufs- und Verkaufsaktivitäten die Bilanzen der Unternehmen analysieren und z.B. zukünftige Cashflows (Dividenden) in der Zukunft prognostizieren und in dem gewünschten Kaufpreis reflektieren.

Sekundär wird das Unternehmen aber auch nach dem IPO an der Börse weiterhin an ihrem Aktienkurs interessiert sein, da dies inbesondere ein Indikator ist, zu welchen Konditionen sich zukünftig Geld beschafft werden kann, z.B. im Rahmen von Neu-Emissionen von Aktien oder Rückkäufen.

Unser Geldsystem erfordert Wachstum

Unser Kapitalismus beruht auf Schulden:
Kredite dienen dazu, dass ich heute mit geliehenem Geld investieren kann und – sofern die Investition profitabel ist – das Geld morgen inklusive Zinsen an den Gläubiger zurückzahlen kann. Das bedeutet aber auch, sobald dieser Kreislauf einmal in Gang gesetzt ist, ist es erforderlich, in Zukunft mehr zu verdienen, um die zusätzlichen Zinsen bezahlen zu können. Dieses “mehr” muss natürlich irgendwoher kommen, d.h. in einem geschlossenen System muss eine andere Person ebenfalls einen Kredit aufnehmen. Dies geht immer weiter so lange, bis ein Schuldner seine Schulden nicht mehr bedienen kann und pleite geht.

Daraus resultiert aber auch, dass unser System zwingend Wachstum benötigt, denn nur wenn in Zukunft mehr produziert/verdient wird, können die Schulden bezahlt werden.
Auch unsere sozialen Sicherungssysteme in Deutschland erfordern kontinuierliches Wachstum.

Ein sehr anschauliches Video zu Krediten und daraus resultierenden Konjunkturzyklen bietet Ray Daylio in seinem Youtube-Video “Wie die Wirtschaftsmaschine funktioniert”:

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Konkret zeigt sich dieses notwendige Wachstum auch in den Inflationszielen der einzelnen Zentralbanken. In der Eurozone liegt dieses Ziel beispielsweise bei 2%.

Wachstum trägt in dem Zusammenhang dann dazu bei, dass Aktien langfristig steigen, weil in Summe die Käufer von Aktien davon ausgehen, dass sich die Umsätze des Unternehmens in Zukunft aufgrund der oben genannten Punkte jedes Jahr steigern werden.

An der Börse wird die Zukunft gehandelt

Dieses Sprichwort in Bezug auf die Börse hört man des Öfteren und es ist richtig:
An der Börse werden kleine Anteile an börsen-notierten Unternehmen gehandelt. Jeder vernünftige Kaufmann wird nun den Preis für diesen Anteil entsprechend für sich bewerten und zu einem Ergebnis kommen, was er bereit ist, dafür zu zahlen. Diese Bewertung erfolgt natürlich individuell anhand vieler Faktoren, aber ganz entscheidend spielt die finanzielle Situation des jeweiligen Unternehmens in Zukunft eine Rolle, d.h. was verdient das Unternehmen? Welche Dividende kann ich als Aktionär in Zukunft im Schnitt erwarten? usw.

Langfristig steigen Aktien

Langfristig ist jedoch der massivste Treiber der Weltwirtschaft die sinkende Armut bei gleichzeitig steigender Weltbevölkerung.
In Kombination mit den Gedanken zu unserem Geldsystem aus Punkt 1 folgt daraus, dass die Gewinne zukünftig steigen müssen. Wenn die zukünftigen Gewinne (oder Gewinnerwartungen) steigen, wird die Aktie heute höher bewertet, da man in Zukunft mehr Ertrag erwarten kann. Damit ist auch die Frage geklärt, warum Aktien langfristig steigen.

Wichtig ist, dass dies natürlich immer nur allgemein für den breiten Markt gilt, nicht für einzelne Aktien. Selbstverständlich kann eine Aktie auch im Wert fallen, wenn Investoren nicht mehr bereit sind, den aktuellen Kurs für diese Aktie zu bezahlen.

Warum Aktien langfristig besser performen müssen als Anleihen

Abschließend noch ein Wort zum Unterschied zwischen der Performance von Aktien und Anleihen: aus meiner Sicht müssen Aktien auf lange Sicht zwangsweise besser performen als Anleihen. Man bezeichnet dies auch als das sogenannte Equity Risk Premium.

Dies ist zum einen unter Risikoaspekten betrachtet logisch: Anleihen sind Fremdkapital und werden daher gegenüber Aktien (Eigenkapital) bei der Rückzahlung in der Reihenfolge bevorzugt. Hieraus folgt unmittelbar, dass der Eigenkapitalgeber (d.h. der Käufer der Aktie) ein höheres Risiko eingeht und dafür entsprechend belohnt werden möchte.

Ein weiterer Aspekt ist auch, dass insbesondere bei Staatsanleihen der Staat für die Rückzahlung der Anleihen auf Steuereinnahmen angewiesen ist, da diese seine hauptsächliche Einnahmequelle sind. Die Steuereinnahmen eines Staates aber wiederum partizipieren an der Privatwirtschaft, d.h. an der Ertragskraft der Unternehmen und Haushalte. D.h. man kann Staatsanleihen auch als eine diversifizierte Form der einzelnen Aktien sehen.

Wichtig: Ich habe hier nur meine Investment-Hypothese beschrieben. Natürlich weiß weder ich noch sonst irgendein Experte, ob Aktien in Zukunft langfristig steigen werden. Aber 100 Jahre Historie sind ein ganz guter Indikator dafür würde ich sagen.

Disclaimer: Meine kostenlosen und freien Recherchen stellen meine persönliche Meinung dar und sind in keinster Weise eine Anlageempfehlung. Sie werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt, aber sie können trotzdem ganz oder teilweise falsch sein. Daher übernehme ich keinerlei Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Basis der hier vermittelten Informationen getroffen werden. Des Weiteren erhebt diese Website keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität.
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