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2-stellige Rendite durch Vorauszahlung der PKV-Beiträge

  • Lesezeit 7 Min.
Chris

Dipl.-Ingenieur, Developer, #Buy-and-Hold #ETF #Investor, Freelancer, Lerner

Private Krankenversicherung Karte

In der Regel untersuche ich hier im Blog ja die Themen Altersvorsorge mit ETFs und Besonderheiten in der GmbH und die Renditen, die damit auf das Vermögen erzielt werden können. Heute sehen wir uns einen Sonderfall an, mit dem man relativ einfach sogar 2-stellige Rendite erzielen kann: die Rede ist von der Beitrags-Vorauszahlung in der Privaten Krankenversicherung (PKV).

Die Möglichkeit, die Beiträge für einige Zeit – gesetzlich erlaubt sind ab 2020 bis zu 3 Jahre (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 5 EStG) – im Voraus zu bezahlen, bieten die meisten privaten privaten Krankenkassen an. Dass sich dies finanziell rechnet ist aber nur auf den ersten Blick einleuchtend, wie immer muss man etwas genauer hinschauen und auf Dinge wie Opportunitätskosten, Steuern, Selbstbehalt, etc. achten.

Im Idealfall gibt der Versicherer außerdem noch etwas Skonto für die Vorauszahlung. Aus den Erfahrungswerten aus anderen Blogs sind dies ca. 0,5-4% – abhängig vom Versicherer – das muss man mit anderen Anlageformen (ETF, Sparbuch, Rürup, BAV, etc.) erst einmal erzielen!

Wie werden die PKV-Beiträge steuerlich behandelt?

Allgemein können die Ausgaben für die (private) Krankenversicherung als Vorsorgeaufwendungen im Rahmen der Sonderausgaben in der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden. Wichtig ist hier allerdings zu berücksichtigen, dass nur das vergleichbare Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung angerechnet werden kann („Basisabsicherung“), d.h. Besonderheiten wie Chefarztbehandlung, 1-Bett-Zimmer müssen aus dem PKV-Beitrag herausgerechnet werden. Auf der Steuerbescheinigung Deiner privaten Krankenversicherung, die Du einmal im Jahr erhältst, siehst Du diese Werte aber in der Regel genau aufgelistet. Ich gehe im Folgenden davon aus, dass durchschnittlich 80% des Beitrags für die Basisabsicherung angesetzt werden können und die restlichen 20% entsprechend Wahlleistungen sind.

Krankenkassenbeiträge können in dieser Höhe voll von der Steuer abgesetzt werden und mindern somit Deine Einkommensteuer direkt. Weitere Vorsorgeaufwendungen für andere Versicherungen wie Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), Haftpflicht, etc. allerdings sind bei Selbstständigen nur bis zu einer Höhe von aktuell 2.800 € pro Jahr absetzbar, die dann in der Regel aber bereits durch die monatlichen PKV-Beiträge ausgenutzt werden.

Der Charme der Beitragsvorauszahlung besteht nun darin, in einem Jahr die Vorsorgeaufwendungen nur für die PKV zu nutzen und in den Folgejahren die restlichen Versicherungen voll bis zu 2.800 € ansetzen zu können.

Werfen wir nun mal unseren Rechner an, um die Rendite durch die Beitrags-Vorauszahlung in der PKV zu berechnen. Dabei gehe ich von folgenden Parametern aus:

monatl. Beitrag zur Privaten Krankenversicherung600 €
Beitragsrückerstattung der PKV (BRE)1.500 €
durchschnittl. persönlicher Steuersatz35 %
sonstige Vorsorgeaufwendungen
(z.B. Beiträge zur Arbeitslosen-, Unfall-, Haftpflicht-, Erwerbs- und Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung)
2.000 €
Skonto für Vorauszahlung4%
Parameter für das Beispiel

Natürlich sind diese Werte nur Beispiele und insbesondere die private Krankenversicherung ist eine höchstindividuelle Angelegenheit, d.h. jeder hat hier andere Beiträge, Risikozuschläge, Selbstbehalte, etc. Die nachstehende Rechnung soll lediglich das Prinzip darstellen, so dass es jeder selbst einfach nachrechnen kann. Dafür habe ich am Ende des Artikels auch das entsprechende Sheet verlinkt.

Einen Selbstbehalt habe ich in den Berechnungen nicht berücksichtigt, da vermutlich ein paar Arzt-Rechnungen jedes Jahr anfallen, die man im Fall der BRE dann einfach bis zum Selbstbehalt selbst trägt. D.h. diese Ausgaben sind bei allen Szenarien identisch und können um es einfach zu halten ignoriert werden.

Wir gehen nun davon aus, dass unsere Krankenkasse es ermöglicht, die PKV-Beiträge 3 Jahre im Voraus zu bezahlen. Desweiteren gehen wir davon aus, dass uns die PKV die Beitragsrückerstattung (BRE) jedes Jahr ausbezahlt. Außerdem berücksichtigen wir gleich das Skonto von 4% auf die Vorauszahlung. Die Beitragssumme für 3 Jahre sieht damit folgendermaßen aus:

600 € * 12 Monate * 3 Jahre = 21.600 € Vorauszahlung
1.500 € * 3 Jahre = 4.500 € Beitragsrückerstattung
4% * 21.600 = 864 € Skonto

Wir bezahlen diese Summe nun am Ende von Jahr 0 für die folgenden Jahre. Unter Berücksichtigung des Steuersatzes können wir damit im Jahr 0 einiges an Steuern sparen:

21.600 € * 35% = 7.560 €

In den folgenden Jahren 1, 2 und 3 setzen wir nun jeweils unsere sonstigen Vorsorgeaufwendungen unter Berücksichtigung der Beitragsrückerstattung an:

2.000 € - 1.500 € = 500 € * 35% = 175 € * 3 Jahre = 525 €

Damit kommen wir zum Ergebnis der Ersparnis. Dabei gehe ich davon aus, dass wir die Beiträge zur Krankenversicherung in jedem Fall, also auch bei monatlicher Zahlungsweise voll absetzen können. Der größte Pluspunkt liegt darin, dass wir die zusätzlichen Sonderausgaben in den Folgejahren geltend machen können.

864 € Skonto + 525 € Steuerersparnis = 1.389 €

Kombiniert man nun die Einzahlungen und Ersparnis und vergleicht dies mit dem Ausgangsszenario der monatlichen Beitragszahlung ergibt sich folgendes Ergebnis für den 3-Jahreszeitraum:

monatliche PKV-Beiträge abzgl. BRE17.100 €
sonstige Vorsorgeaufwendungen+ 6.000 €
abzgl. Steuer-Ersparnis & Skonto– 1.389 €
effektiv zu zahlen21.711 €
kumulierte Rendite13,65 %
Rendite durch PKV-Vorauszahlung mit BRE auf 3 Jahre

Wie sieht die Rendite für die PKV-Vorauszahlung ohne Beitragsrückerstattung (BRE) aus?

Nun wollen wir uns ansehen, ob es sich ggfs. lohnen kann, auf die Beitragsrückerstattung (BRE) zu verzichten, um so noch mehr Vorsorgeaufwendungen bei der Einkommensteuer geltend machen zu können.

Die Rechnung sieht dann aber folgendermaßen aus für die Jahre 1, 2 und 3:

2.000 € * 35% * 3 Jahre + 864 € Skonto = 2.964 €

D.h. in diesem Fall ist die Steuerersparnis mehr als doppelt so hoch auf die 3 Jahre gerechnet. Das Ergebnis sieht dann wie folgt aus:

monatliche PKV-Beiträge21.600 €
sonstige Vorsorgeaufwendungen+ 6.000 €
abzgl. Steuer-Ersparnis & Skonto– 2.964 €
effektiv zu zahlen24.636 €
kumulierte Rendite12,03 %
Rendite durch PKV-Vorauszahlung ohne BRE auf 3 Jahre

Die Rendite auf die PKV-Vorauszahlung kann sich immer noch sehen lassen, ist allerdings niedriger als im Szenario mit BRE. Für diesen Fall würde es sich daher eher nicht lohnen.

Was tun bei Beitragsanpassungen?

Ein wichtiger Aspekt, der hier nun noch betrachtet werden soll, ist eine mögliche Beitragsanpassung durch den Versicherer. Diese ist ja in der privaten Krankenversicherung alles andere als selten, d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass die Beiträge innerhalb unseres Berechnungszeitraumes von 3 Jahren steigen, ist relativ hoch.

Das ist für unsere Berechnung aber erst einmal kein Problem, weil sich dadurch nur die Anzahl der vorausbezahlten Monatsbeiträge entsprechend reduziert. Allerdings kann es je nach Höhe der Anpassung passieren, dass der Versicherer uns bereits am Ende von Jahr 2 darauf hinweist, dass das Guthaben für den kommenden Jahresbeitrag nicht mehr ausreichend ist und entsprechend eine weitere Überweisung fällig wird.

In diesem Fall ist es am sinnvollsten, die Überweisung möglichst weit ans Ende von Jahr 2 zu verzögern, so dass diese rechnerisch bereits dem Jahr 3 zuzuordnen ist. Dadurch verlieren wir die Pauschale „nur“ für Jahr 3 und die oben durchgeführte Rechnung ist analog für 1 Jahr weniger gültig.

Was gibt es weiter zu berücksichtigen bei der Beitragsvorauszahlung?

Insbesondere für Selbstständige ergibt sich als weiterer Vorteil der Beitragsvorauszahlung in der privaten Krankenkasse die Möglichkeit, bei schwankenden Einnahmen die Vorauszahlung in Jahre zu legen, in denen der Steuersatz besonders hoch ist. Die oben durchgeführte Rechnung geht von einem konstanten Einkommensteuersatz von 35% aus, der in der Realität vermutlich eher nicht zutreffen dürfte.

Natürlich ist die absolute Steuerersparnis umso größer, je höher Dein PKV-Beitrag ist und je höher die Beiträge zu den weiteren Versicherungen sind. Allerdings ist die Steuer-Ersparnis nur der eine Teil – die besten Ausgaben sind allerdings die, die überhaupt nicht erst anfallen 😉

Die Anzahl der Jahre spielt für die Rendite an sich erst einmal keine Rolle, allerdings vermutlich sehr wohl für das Skonto, dass der Versicherer Dir gibt. Hier gilt es also einen „Sweet Spot“ zu finden.

Rendite-Fazit zur Vorauszahlung in der PKV

Die oben durchgeführte Rechnung zeigt, dass 2-stellige (kumulierte) Renditen möglich sind! Die Beitrags-Vorauszahlung in der PKV lohnt sich aus meiner Sicht in der Regel sogar unabhängig vom Skonto oft allein durch die Steuerersparnis. „In der Regel“ bedeutet aber auch, dass dies nicht für jeden Fall gilt und immer von den jeweiligen Parametern abhängt.

Aus der Rechnung lässt sich auch ableiten, dass eine Betragsrückerstattung ob mit oder ohne Vorauszahlung sich auch unter Berücksichtigung der negativen Steuereffekte ebenfalls positiv auswirkt.

Am besten Du rechnest Dir Deinen Fall daher selbst anhand meines Sheets durch und jonglierst mit den Zahlen ein wenig herum:

Disclaimer: Meine kostenlosen und freien Recherchen stellen meine persönliche Meinung dar und sind in keinster Weise eine Anlageempfehlung. Sie werden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt, aber sie können trotzdem ganz oder teilweise falsch sein. Daher übernehme ich keinerlei Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Basis der hier vermittelten Informationen getroffen werden. Des Weiteren erhebt diese Website keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität.
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